Katholische Seelsorgeeinheit Weissacher Tal

Drei Anlässe feierten gestern Weissachs Katholiken: Gemeindefest, Firmung und das silberne Priesterjubiläum von Pfarrer Wolfgang Kraus. Er verbindet, so der zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats Reinhard Knüdeler, "vorbildliche seelsorgerische Arbeit mit perfektem Finanzmanagement und der Förderung der Ökumene."

Das lauschigste Plätzchen hat der Musikverein Unterweissach: Unter Bäumen auf der Rasenfläche vor der Kirche harren sie etwas mehr als eine Stunde aus, bevor sie klangvoll die Festgäste begrüßen und Marschrhythmen durch die sommerliche Luft schicken. Den anderen Gästen, Rednern und Gemeindemitgliedern strahlt das Wonnewetter mitten ins Gesicht. Bei Backofentemperaturen herrscht unter den Sonnenschirmen einiges Gedränge, als die Parade einsetzt: 36 Firmlinge der Seelsorgeeinheit Weissacher Tal/Auenwald bahnen sich den Weg von der Kirche zum vereinbarten Fototermin auf dem Mäuerle und lächeln entspannt in die Kameras. Ihnen hinterher die Grußwortredner, die sich in der brütenden Hitze ihrer Jackets entledigen, wie auch die Würdenträger die roten Messgewänder gegen eine legerere Garderobe eintauschen. Das Gemeindefest in lässig-lockerer Atmosphäre kann beginnen. Der zu feiernde Pfarrer Kraus, auch Dekan des Dekanates Backnang, mischt sich unter die Menschen und schüttelt Hände, die sich ihm entgegen strecken. "Herzlichen Glückwunsch" und "Alles Gute für Sie" bekommt er zu hören. "Ich fühle mich geehrt, fühlen Sie sich wohl bei uns", gibt er den Gratulanten zur Antwort.

Domkapitular Prälat Franz Glaser, Diözese Rottenburg/Stuttgart, tritt als Firmspender und Festredner auf und überbringt bischöfliche Grüße, genauer: "echte" bischöfliche Grüße. Er habe den Bischof am Vortag persönlich gesprochen, lässt der Geistliche wissen, "die Grüße sind also echt, ich überbringe sie nicht einfach nur so, weil wirs halt so machen." Kernig und humorig gewährt er dem Weissacher Pfarrer eine Fristverlängerung, "obwohl wir ja eigentlich möchten, dass ein Pfarrer mehrere Gemeinden kennenlernt in seinem priesterlichen Dasein".

Kinderchor gratuliert:

"Heut ist ein großes Fest"

Bürgermeister Rainer Deuschle erinnert an gemeinsam realisierte Projekte wie die Diakoniestation, erwähnt die kirchliche Arbeit im Kindergarten und im Jugendbereich. Vor allem lobt er Kraus bürgerschaftliches Engagement in der Ökumene durch Mitwirkung in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen im Weissacher Tal (ACK). "Er ist ein Mann der Ökumene", nimmt denn auch ACK-Vorsitzende Edith Hohnleitner den Ball auf und spielt ihn weiter an den früheren Schuldekan Otto Dolpp, der den ehrenden Worten Zahlen beipackt: In seiner 25-jährigen Tätigkeit als Pfarrer habe Kraus 4 000 bis 5 000 Gottesdienste gehalten und unzählige sakramentale Feierlichkeiten seelsorgerisch begleitet. Zwischen den verbalen Streckenabschnitten dürfen die Kinder vom Kinderchor singend Glückwünsche kundtun: "Wir gratulieren und wünschen viel Glück, heut ist ein Fest, ein großes Fest."

Das große Fest, das sich dem kurzweiligen Grußwortreigen anschließt, entpuppt sich als gemütliches familiäres Fest. In der Küche bereiten fünf Frauen aus dem bewährten Team um Marie-Luise Ullmann das Essen vor. Ihre Tätigkeit in Zahlen ausgedrückt: Aus 30 Kilogramm Kartoffeln schufen sie am Vormittag 180 bis 200 Portionen Kartoffelsalat, "den alle kennen und mögen", so die Köchinnen, die bereits um 6 Uhr auf den Beinen waren. Unterstützung erhalten sie von des Pfarrers beiden Geschwistern wie auch vom Schwager, die an seinem Ehrentag mithelfen. Draußen sammeln freiwillige Helfer tablettweise leere Gläser ein. Derweil zeigt sich der Geehrte berührt vom Aufwand und den lieben Worten, die er zu hören bekommt.

Bei so viel Wertschätzung darf Fürsorge nicht fehlen. Bürgermeister Deuschle und Kraus ehemaliger Studienkollege Dolpp winken sehr direkt mit dem Zaunpfahl, als sie dem gesundheitlich angeschlagenen Pfarrer nahelegen, sich "in den nächsten 25 Jahren etwas zu schonen und kürzer zu treten" Als alles gesagt ist, tritt Pfarrer Kraus vors Mikrofon, lächelt verlegen und sagt mit ruhiger Stimme: "Ich spüre, dass Sie nicht nur mit meiner Arbeit zufrieden sind, sondern dass Sie mich mögen."

Pfarrer Kraus wurde 1953 in Esslingen geboren. Die Diakonatsweihe empfing er 1979, die Priesterweihe 1980. Als Vikar war er danach in Westerheim, Leonberg und Wasseralfingen tätig, ehe er 1984 nach Weissach kam. Seit 1994 ist er zusätzlich Administrator in Herz-Jesu Ebersberg.